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Hier machen wir sie loretto-kompetent! Zahlen, Daten, Fakten – alles über das Loretto-Areal: die Geschichte, das städtebauliche Konzept, die Auszeichnungen und Wissenswertes.
    Das städtebauliche Konzept für das Loretto-Areal
Die fünf Bausteine des städtebaulichen Konzepts
Preise und Auszeichnungen für Tübingens Loretto

Das städtebauliche Konzept für das Loretto-Areal

Der städtebauliche Entwicklungsbereich "Stuttgarter Straße (=Loretto-Areal) / Französisches Viertel" (mit freundlicher Genehmigung des Stadtsanierungsamtes, © Februar 2005)
"Le bataillon de garde n'existe plus!"   1991 verlässt das französische Militär Tübingen: die Chance für die Stadt, auf einem ca. 60 ha großen Band in der Südstadt eine Entwicklung in Gang zu setzen, um den bis dahin eher unterprivilegierten Stadtteil umzugestalten. Bis zu diesem Zeitpunkt wird die Südstadt durch drei Faktoren bestimmt:

Große Flächen werden durch Sondernutzungen geprägt: die Kasernen als unzugängliche "Stadt in der Stadt", der Güterbahnhof, das Depot, die großen Bau- und Einkaufsmärkte, die Stadtwerke usw.

Die Bundesstraße 27 durchschneidet die Südstadt in zwei Teile, zwischen denen nur wenige Verbindungen existieren.

Auch von der Innenstadt ist die Südstadt durch mehrere Barrieren getrennt: Neckar, Eisenbahn und Bundesstraße 28 lassen die Südstadt im Volksmund zum "Jenseits" werden.

Ein neuer Stadtteil   Unmittelbar nach der Erklärung über die Aufgabe der französischen Garnison im Herbst 1990 entwickelt die Stadt eine Konzeption für den neuen Stadtteil. Drei Motive stehen dabei im Vordergrund:

Schaffung eines städtebaulichen Rückgrats für die bis dahin stark durch Barrieren und unzugängliche Flächen geprägte Südstadt.

Innenentwicklung statt "Bauen auf der Grünen Wiese": die ökologisch, finanziell und städtebaulich sinnvollste Möglichkeit, den großen Bedarf an Wohnungen und kleinen Gewerbeflächen zu befriedigen.

Der Versuch, keine Siedlung, sondern städtische Strukturen herzustellen: gemischt, kleinteilig und lebendig.

Das rechtliche Instrument der Realisierung ist die Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme. Bis ca. 2012 sollen Wohnungen und Gewerbeflächen für ca. 6500 neue Bewohner und ca. 2000 neue Arbeitsplätze entstehen - zeitlich abhängig jedoch von der Verlegung der Bundesstraße 27, die heute noch mitten durch den Entwicklungsbereich führt.

Zur Konkretisierung des Konzepts schreibt die Stadt im Sommer 1991 einen städtebaulichen Wettbewerb aus, aus dem mit dem Büro LEHEN drei fünf Studierende der TU Stuttgart als Wettbewerbssieger hervorgehen. Der mit dem ersten Preis ausgezeichnete Entwurf sieht eine dichte und parzellierte Blockrandbebauung vor. 1992/93 entwickelt die Stadt einen umfassenden Rahmenplan, der die Ziele und Grundsätze der weiteren Entwicklung enthält. Die gemeinsam mit LEHEN drei weiterentwickelte städtebauliche Planung wird Teil dieses Rahmenplans. Nahezu alle Altbauten werden erhalten und umgenutzt.

Städtische Strukturen statt Siedlungsidylle – was bedeutet das konkret?   Das wesentliche Merkmal städtischer Strukturen ist Vielfalt: Vielfalt an Nutzungen, Vielfalt an Wohnformen, Vielfalt an Gebäudetypen und Vielfalt an sozialen Gruppen. In der Südstadt entsteht ein Stadtteil, der Kontakte und soziale Netze ermöglicht, ein breites Spektrum an Räumen anbietet und für unterschiedliche Generationen, soziale oder kulturelle Gruppen attraktiv ist. Die Südstadt-Entwicklung versteht sich als Angebot: Viele Bewohner profitieren von einer vereinfachten Alltagsorganisation in einer "Stadt der kurzen Wege" und von der hohen Dichte an sozialen Einrichtungen und Angeboten. Viele Dienstleister und Betriebe suchen den lebendigen Alltag gemischter Strukturen und ziehen Vorteile aus einer kleinteiligen gewerblichen Infrastruktur. Gebaut wird überwiegend mit privaten Baugemeinschaften, die ihr "Stück Stadt" nach eigenen Vorstellungen planen und realisieren.

In einer dichten und städtischen Struktur kommt dem öffentlichen Raum eine große Bedeutung zu; daher ist er nicht in erster Linie Verkehrsträger, sondern Aufenthaltsraum für Bewohner und Beschäftigte. Darüber hinaus sind viele der öffentlichen Freiflächen und Plätze in einer umfangreichen Bürgerbeteiligung geplant worden.

Akteure der Entwicklung   Koordiniert wird das gesamte Projekt vom Stadtsanierungsamt, das vorher über fast 25 Jahre die Altstadtsanierung betreute und seinen Standort heute im Entwicklungsbereich hat. Seine zentralen Aufgaben ist die Planung von der Gesamtkonzeption über Bebauungsplanung bis zur konkreten Umsetzung:
  • Optionsvergaben, Verkauf der Grundstücke
  • Bauherrenschaft für Schulen, Kindergärten usw.
  • Planung und Koordination der öffentlichen Erschließung
  • Kommunikationsbörse für Baugemeinschaften, Interessenten, Gewerbetreibende
Fachliche Unterstützung erhält das Stadtsanierungsamt von anderen städtischen Ämtern, der Landesentwicklungsgesellschaft KE-LEG und privaten Auftragnehmern, bei der städtebaulichen Planung von LEHEN drei Architekten und Stadtplaner SRL. Alle wesentlichen Entscheidungen zu Planung, Finanzen und Grundstücksverkäufen werden im Gemeinderat bzw. einem separaten Südstadtausschuss getroffen, so dass jederzeit eine hohe Transparenz der Entscheidungen gewahrt bleibt.

Wesentliche Akteure auf der privaten Seite sind eine Vielzahl an Gewerbetreibenden, privaten Bauherren, Architekten und Baubetreuern, die sich auf die hohe Komplexität der Südstadtentwicklung eingelassen haben.

Die Zwischenbilanz im Jahr 2004   Im Entwicklungsbereich gibt es ca. 3800 neue Bewohner und ca. 1000 Arbeitsplätze in über 150 Betrieben, Läden, Einrichtungen usw... Fünf von ca. 12 Bauabschnitten sind im Bau, zwei weitere in der Vorbereitung. Zwei der Quartiere sind bereits zu großen Teilen fertiggestellt: das Loretto-Areal und das Französische Viertel.
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Die fünf Bausteine des städtebaulichen Konzepts

Baustein 1: Kleinteilige Nutzungsmischung   Die Mischung von Arbeiten, Wohnen, Kultur und Sozialem ist ein Gegenmodell zum Städtebau der letzten fünfzig Jahre, der verschiedene Nutzungen auf verschiedene Bereiche der Stadt sortierte. Die Grundidee der Südstadtentwicklung: Gemischte Viertel als Basis für eine lebendige städtische Kultur. Das Nebeneinander von Wohnen und Arbeiten vereinfacht die Alltagsorganisation und ermöglicht Kontakte und kurze Wege. Gemischte Viertel sind, anders als Wohnviertel und Gewerbegebiete, durchgängig belebt und haben eine hohe Attraktivität. In der Südstadt wird eine kleinteilige, vertikale Mischung angestrebt: Grundtyp ist das Stadthaus mit Wohnungen in den oberen Geschossen und Gewerbe im EG. Darüber hinaus existieren auch rein gewerblich genutzte Gebäude, meist umgenutzte Altbauten. Hier haben sich vor allem Betriebe mit einem höheren Raumbedarf oder stärkeren Lärmemissionen angesiedelt.

Der Begriff Gewerbe wird in der Südstadt bewusst offen definiert: er umfasst Büros und Läden, Werkstätten und Betriebe, aber auch Ateliers und soziale Einrichtungen. Zur Zeit gibt es im Entwicklungsbereich ca. 150 "Betriebe" mit ca. 1000 Beschäftigten. Der gesamte Entwicklungsbereich ist als Mischgebiet ausgewiesen, d.h. überall ist "nicht wesentlich störendes Gewerbe" zulässig.

Diese Betriebe verteilen sich auf ca. 50 % Dienstleistung, ca. 20 % produzierendes Gewerbe und Handwerk, ca. 10 % Einzelhandel und ca. 20 % Soziales und Kultur, darunter die VHS, Ateliers, Vereine und diverse private Kultureinrichtungen wie die Tübinger Puppenbühne oder das Tanz- und Rock 'n' Roll Zentrum.

Aktiv unterstützt wird die Gewerbeansiedlung durch die Beratungs- und Vermittlungstätigkeit des Stadtsanierungsamts, durch die interessierte Betriebe geeignete Flächen finden können.

Im Rahmen der Südstadtentwicklung wird eine Vielzahl öffentlicher, sozialer und kultureller Einrichtungen geschaffen, die nicht nur für den Entwicklungsbereich oder die Südstadt, sondern oft auch für die gesamte Stadt Bedeutung erhalten.

Zwei Prinzipien spielen hier eine Rolle: zum einen die Schaffung einer dezentralen, quartiersorientierten und möglichst kleinteiligen Struktur, zum anderen die Nutzung privater Ressourcen. Dieses bürgerschaftliche Engagement kann verschiedene Facetten haben: so betreiben zwei Tanzsportvereine eine Sporthalle im Loretto-Areal, die vormittags gegen eine finanzielle Beteiligung der Stadt für den Schulsport genutzt wird. Im Französischen Viertel hat eine private Baugemeinschaft das Werkstadthaus mit 12 Wohnungen und einer Gewerbefläche erstellt. Im Gebäude befindet sich die öffentlich zugängliche, von einem Verein betriebene "Werkstatt für Eigenarbeit".

Die Stadt selbst investiert im Entwicklungsbereich ca. 15 Mio. € für Gemeinbedarfseinrichtungen wie Schulen, Kindergärten, Jugendtreffs, Begegnungsräume usw., die aus der Abschöpfung der Planungsgewinne finanziert und eng mit der städtebaulichen Planung verzahnt werden.
Von den Bewohnern wird die Mischung grundsätzlich begrüßt, da sie den lebendigen Charakter der Quartiere prägt und viele Vorteile in der individuellen Alltagsorganisation bietet. Konflikte zwischen Gewerbenutzung und Wohnen haben sich in der Vergangenheit nur selten und vor allem bei gastronomischen Einrichtungen ergeben.

Baustein 2: Dichte und Reaktivierung von Altbauten   In der Südstadt wird, verglichen sowohl mit anderen Tübinger Stadtteilen als auch Stadtentwicklungsprojekten anderer Kommunen, aus drei Gründen mit einer außerordentlich hohen Dichte (ungefähre GFZ 2,5 bis 4,0, ca. 150 - 200 Einwohner/Hektar zzgl. Arbeitsplätze) gebaut:
  • Tübingen hat als "Stadt in der Landschaft" nur noch ein sehr geringes Potenzial verfügbarer Bauflächen im Außenbereich. Daher existiert der Grundsatz, weitere Flächenzersiedlungen zu vermeiden und die bestehende Landschaft zu erhalten. Neben dieser Reduzierung des Landschaftsverbrauchs ermöglicht Dichte auch eine "Stadt der kurzen Wege": ÖPNV, Fahrrad und sogar Fortbewegung per pedes sind ernsthafte Alternativen zum Auto, da die Distanzen kurz sind und viele Wege innerhalb der gemischten Stadtstruktur stattfinden können.
  • Urbane Stadtstrukturen benötigen eine hohe Dichte, da nur so städtische Räume entstehen können. Der öffentliche Raum grenzt direkt an die Gebäude, so dass eine unmittelbare Wechselwirkung zwischen Straße und Gewerbefläche besteht. Hierdurch erhalten die einzelnen Flächen eine hohe Nutzungsintensität, wenig nutzbares Abstandsgrün wird vermieden. Der Block als städtebauliches Grundmodul erlaubt eine eindeutige Differenzierung in Außen (städtische, belebte Bereiche) und Innen (grüne, privatere Bereiche).
  • Durch sein geringes Baulandreservoir und seine hohe Attraktivität als Wohnort hat Tübingen traditionell hohe Grundstückskostenanteile, die bei privatem Bauland teilweise bei bis zu 50 % der Gesamtkosten für eine Wohnung liegen. Parallel dazu ist auch der Mietwohnungsmarkt in Tübingen durch die Universität sehr angespannt. Daher ist es vor allem gering- und mittelverdienenden Haushalten in der Vergangenheit fast unmöglich gewesen, in Tübingen Wohneigentum zu erwerben oder ausreichend große Wohnungen zu mieten. Durch die hohe Dichte ist die Kommune in der Lage, die Grundstückskostenanteile für die Wohn- und Gewerbeflächen mit 7 - 14 % sehr niedrig zu halten. Für viele Haushalte bietet sich somit eine Alternative zum preiswerten Bauland weit außerhalb der Stadt und das mit positiven Folgen für die Einwohnerentwicklung und Altersstruktur Tübingens. Auch die Struktur innerhalb der Quartiere profitiert hiervon, da eine hohe soziale Mischung entstehen kann.
Nahezu alle Altbauten aus der militärischen Nutzung bleiben bestehen, ein großer Teil ist bereits privatisiert und umgebaut. Insbesondere für die zügige Ansiedlung von Gewerbebetrieben, Handwerkern oder Ateliers haben die Altbauten eine wichtige Funktion, da der Umbau sukzessive stattfindet und so einfacher zu finanzieren ist. Ähnliches gilt für Studentenwohnheime oder Einrichtungen wie die Volkshochschule. Schon früh entsteht durch die Altbauten jedoch auch "Patina" und atmosphärische Dichte, nicht zu unterschätzende Qualitäten für einen Stadtteil im Aufbau.

Baustein 3: Baugemeinschaften und Parzellierung   Üblicherweise werden Mehrfamilienhäuser in Deutschland von Bauträgern geplant und errichtet. Die späteren Nutzer kaufen ihre Wohnung zu einem festen Preis, sind aber in die Planung kaum oder gar nicht eingebunden.

In der Südstadt ist inzwischen ein anderes Modell zum Standard geworden: hier bauen überwiegend private Baugemeinschaften. Familien, Singles, Gewerbetreibende, aber auch Investoren für Mietflächen schließen sich zusammen, um gemeinsam ein Gebäude zu errichten. Die Gruppen erhalten eine Grundstücksoption, beauftragen einen Planer und bauen zum reellen Herstellungspreis, nicht zum vom Bauträger festgelegten Marktpreis. Vier wesentliche Vorteile bringt dieses Modell:
  • Die späteren Bewohner sind schon früh in die Planung integriert, können ihre Vorstellungen und Ideen umsetzen. Darüber hinaus ist gemeinsam vieles bezahlbar, was für den Einzelnen zu teuer ist: Gemeinschaftsräume, Werkstätten, Sauna, Gemeinschaftsterrasse usw.
  • Die Endkosten sind nach den bisherigen Erfahrungen meist deutlich niedriger als die Marktpreise von Bauträgern, viele vermeidbare Kosten fallen erst gar nicht an oder werden durch Eigeninitiative aufgefangen.
  • Die Bewohner lernen sich früh kennen, im Planungsprozess entstehen oft wirkliche "Hausgemeinschaften", die sich auch schon früh in die Quartiersplanung einmischen.
  • Baugemeinschaften setzen eine große Vielfalt unterschiedlicher Konzepte um. Gemeinschaftsorientierte oder gewerbeorientierte Gebäude, ökologische oder architektonische Schwerpunkte, besonders niedrige Baukosten oder eine schmale Parzelle nur für eine Familie: die konzeptionelle Bandbreite spiegelt die Vielfalt der Wohnbedürfnisse und Vorstellungen wider.
  • Diese Vielfalt ist der Südstadt anzusehen: die Grundstücksbreiten sind nicht festgelegt, sondern werden gemeinsam mit den späteren Nutzern soweit wie möglich auf deren Bedürfnisse "zugeschnitten". Gestaltungsvorgaben gibt es nur wenige, so dass eine hohe Vielfalt an Wohnformen und Architekturkonzepten nebeneinander möglich ist, eine Vielfalt, die auch die Bandbreite der ästhetischen und strukturellen Vorstellungen zeigt.
Grundsätzlich ist festzustellen, dass gerade durch das Instrument der privaten Baugemeinschaft für viele Bauherren das Bauen in der Stadt attraktiv wird. Normalerweise bestehen viele Befürchtungen gegenüber dem Wohnen in dichten, gemischten Strukturen: zu anonym, nicht gestaltbar, keine Möglichkeit auf die Planung Einfluss zu nehmen, das eigene Gebäude nur eines unter vielen Gleichen. Beim Bauen in Baugemeinschaften sind viele dieser Befürchtungen gegenstandslos, so dass ein weit größerer Kreis an Interessenten als üblich sich auch für das Wohnen in städtischen Strukturen entscheidet.

Baustein 4: Öffentlicher Raum und Verkehr   In einer dichten und gemischten Struktur ist ein anderer Umgang mit den knappen öffentlichen Flächen notwendig: Straßen und Plätze sind hier in erster Linie Aufenthaltsräume für Bewohner und Beschäftigte und erst in zweiter Linie Verkehrsträger. Durch besondere Lösungen für den ruhenden Verkehr entstehen auch bei der hohen Dichte im Entwicklungsbereich attraktive und großzügige Freiräume mit einer hohen Aufenthaltsqualität.

Die Quartiere sind nicht autofrei, nahezu jedes Gebäude ist anlieferbar. Aber Stellplätze auf den Parzellen oder im öffentlichen Raum gibt es nur in wenigen Ausnahmen, z.B. für Gehbehinderte oder für Car-Sharing. Die Fahrzeuge von Beschäftigten und Bewohnern werden in Quartiersgaragen abgestellt, die gegen Gebühr auch für Besucher, Kunden und andere Kurzzeitparker zur Verfügung stehen. Von diesen Quartiersgaragen sind bereits drei Anlagen realisiert, zwei weitere sind im Bau bzw. gehen in Kürze in Betrieb.

Neben dem noch immer unsicheren Zeitpunkt einer Verlegung der B 27 ist die Frage nach der Akzeptanz der Parkierungslösungen und ihres wirtschaftlichen Betriebs derzeit ein kontrovers diskutiertes Problem der Südstadtentwicklung. Hintergrund hierfür ist, dass die übliche Stellplatzverpflichtung für die einzelnen Wohnungsbauherren im Entwicklungsbereich de facto nicht existiert, die Kosten für das Parken sind von den Kosten für das Wohnen nahezu vollständig entkoppelt. Autofreie Haushalte brauchen also keinen Stellplatz zu erwerben oder zu mieten, Haushalte mit mehreren Fahrzeugen müssen die Kosten für mehrere Stellplätze einrechnen. Dieses System hat neben seiner hohen Kostengerechtigkeit durch das "Verursacherprinzip" in der Steuerung auch große Nachteile: Parkraumbewirtschaftung und Kontrolle sind notwendig, der Bedarf an Öffentlichkeitsarbeit und Information ist hoch.

Dennoch ist die Akzeptanz bei Bewohnern und Betrieben für das Parkierungskonzept hoch, da die Aufenthaltsqualitäten des öffentlichen Raums bereits sehr deutlich sind. Straßen und Plätze werden an vielen Stellen als "Wohnzimmer" der Quartiere begriffen und intensiv genutzt. Ein zweiter Aspekt macht sich ebenfalls schon bemerkbar: durch die hohe Transparenz der Kosten für das eigene Auto werden ÖPNV, Car-Sharing usw. zumindest gegenüber dem Zweitwagen attraktiv und konkurrenzfähig.

Baustein 5: Bürgerbeteiligung und Integration   Die wesentlichste Form der Beteiligung an der Südstadtentwicklung ist sicher das Bauen in Baugemeinschaften, das bereits ausführlich dargestellt wurde. Aber auch darüber hinaus spielt Partizipation im Entwicklungsbereich eine große Rolle. Während der Erarbeitung des Konzepts fand1992/93 eine intensive Diskussion in Arbeitsgruppen statt, deren Ergebnisse in den Rahmenplan und in konkrete Projekte eingeflossen sind.

Seit 1998 existiert eine umfassende Beteiligung an der Gestaltung des öffentlichen Raums: die wesentlichen Freiräume wurden von Bewohnern und Gewerbetreibenden konzipiert und - soweit finanziell und technisch möglich - auch so realisiert. Die beiden großen Plätze Lorettoplatz und Französischer Platz sind ebenso auf diese Art und Weise entstanden wie diverse kleinere Plätze, Straßenräume und Freiflächen. Die Erfahrungen bislang: die Akzeptanz der öffentlichen Räume, die von Bürgern geplant wurden, ist ebenso hoch wie die Bereitschaft, sich auch mit eigener Muskelkraft an der Gestaltung und Pflege zu beteiligen.

Inzwischen ist aus diesen Beteiligungsprozessen mit dem Forum Französisches Viertel eine agile Bürgervertretung entstanden, die sich um alle Belange des Quartiers kümmert und der Verwaltung wertvolle Anregungen liefert.

Ein übergeordnetes Ziel der Südstadtentwicklung ist die Stärkung der sozialen Mischung und die Integration aller Bevölkerungsgruppen. Neben "normalen" Familien, die hier eine Alternative zum Einfamilienhaus finden, existiert eine Vielzahl von Wohnformen für Personen, die oft nicht in Neubauprojekte integriert werden: Ältere Mitbürger (Gemeinschaftliches Wohnen im Alter), ausländische Mitbürger, Alleinlebende oder -erziehende, Studierende usw...

In vielen Gebäuden existieren behindertengerechte Wohnungen, eine Werkstatt für Behinderte ist einer der größten Betriebe im Loretto-Areal. Durch die kleinteilige Struktur entstehen nah bei einander Wohnungen für Mieter oder Eigentümer, für unterschiedliche Standards und Bedürfnisse, so dass eine hohe Dichte unterschiedlicher sozialer Gruppen, Ethnien, Einkommensverhältnisse usw. existiert.

Eine der wesentlichen Herausforderungen der nächsten Jahre wird sicher darin bestehen, die neuen Quartiere mit den bereits bestehenden Teilen der Südstadt städtebaulich und sozial zu verbinden. Für diese Integration sind die Geschäfte, Betriebe, sozialen und kulturellen Einrichtungen wichtige Anknüpfungspunkte.

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Preise und Auszeichnungen für Tübingens "Loretto"

1. Preis "Städte und Gemeinden im Wandel", 2004   Ein landesweiter Wettbewerb der AG Baden-Württembergischer Bausparkassen. Ausgezeichnet wurde die Universitätsstadt gemeinsam mit sieben privaten Baugemeinschaften in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Lehen drei, für die "gezielte Förderung der Vielfalt, für die eine Struktur mit hoher sozialer Mischung und einem breiten Nutzungsspektrum geschaffen wurde".

DIFA-AWARD:
2. Preis für das Südstadtprojekt – "bestes deutsches Quartier", 2004
  Der Preis wurde der Universitätsstadt Tübingen gemeinsam mit der Freiraumplanerin Susanna Hirzler verliehen. In der Begründung der Jury wurde das Quartier als "Stadt der kurzen Wege" hervorgehoben, das ein anregendes Wohn- und Arbeitsumfeld mit vielfältigen Möglichkeiten zu Kommunikation und Freizeitgestaltung anbietet.

"Europäischer Städtebaupreis" in der Kategorie "Conversion and Renewal", 2002   Auslober dieser höchsten europäischen Auszeichnung für Stadtplanung ist das "European Council of Town Planners" mit Sitz in London. Der Preis wurde seit 1991 vier mal vergeben. Aus 254 europäischen Bewerbern wurden sechs Projekte in verschiedenen Kategorien ausgezeichnet. Hervorgehoben wurde die Entstehung eines urbanen und lebendigen Stadtteils, der durch konsequente Nutzungsmischung, hohe Dichte und vielfältige Architektur geprägt wird. Den Preis in der Kategorie "Conversion and Renewal" erhielt neben dem Südstadtprojekt das südenglische Projekt "The Village at Caterham".

Hauptpreis "sternstadt – wie wollen wir woh- nen?", 2002   Eine Aktion der Zeitschriften Stern und Schwäbisch Hall.

"Deutscher Städtebaupreis" der SEB AG, Frankfurt, 2001   Der Hauptpreis wird jährlich für ein städtebauliches Projekt in Deutschland verliehen und soll einen Beitrag leisten zur Stärkung und Urbanität zu Gunsten der in der Stadt wohnenden und arbeitenden Menschen und damit Entfremdung und Verödung in der Stadt vorbeugen. Der Preis wurde für das Loretto-Areal und das Französische Viertel verliehen.

Innovationspreis "Gelungene Siedlungen – attraktive Wohn- quartiere", 2000   Eine Aktion der AG Baden-Württembergischer Bausparkassen sowie des Wirtschafts- und des Sozialministerium mit Beteiligung des Innenministeriums Baden-Württemberg.

Innovationen im Wohnungs- und Städtebau, 2000   Im Dezember 2000 ging der Preis für Innovationen im Wohnungs- und Städtebau an die Universitätsstadt Tübingen.



Stand: Februar 2005
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